Yoga

Yoga ist aber auch weit mehr als ein Gymnastikprogramm: ein spiritueller Weg, dessen höchstes Ziel die Selbsterkenntnis ist. In der fernöstlichen Philosophie gehörten Körper und Geist schon immer zusammen. Yoga kann von jedem – unabhängig von seiner Herkunft und Religion, unabhängig von Alter und Gesundheitszustand – praktiziert werden.

Die kulturellen Wurzeln des Yoga

Das Wort „Yoga“ kommt aus dem altindischen Sanskrit. Das Sanskrit war keine Umgangssprache, sondern diente hauptsächlich der Formulierung religiöser und philosophischer Gedankengebäude und wurde daher auch Sprache der Götter genannt. Die etymologische Wurzel des Wortes „Yoga“ ist „yuj“, ein Begriff, der sich noch heute in vielen Idiomen der indogermanischen Sprachfamilie nachweisen lässt.

Einheit von Körper und Geist

„Yuj“ war ein Begriff aus der konkreten Erfahrungswelt. Er bezeichnete jenes Geschirrteil, mit dem Rinder vor einen Wagen oder Pflug gespannt werden konnten. Der Begriff „Yoga“ bezieht sich demnach auf das Verbinden und Beherrschen von unabhängigen, im Extremfall widerstreitenden Kräften. Jeder Mensch vereint in sich Natur und Geist. Eine Entwicklung kann nur stattfinden, wenn keine der beiden Seiten unterdrückt wird.

Die Anfänge des Yoga und die vedische Kultur

Indien ist ein Land, das wie kein anderes verschiedenartigste religiöse und philosophische Literatur hervorgebracht hat. Schon aus der Zeit der Induskultur gibt es Schmuck- und Werkzeugfunde sowie Skulpturen, die belegen, dass die Bevölkerung des Subkontinents bereits damals yogaähnliche Körperhaltungen kannte. Die vedische Kultur, in deren Umfeld sich das System des Yoga entwickelte, begann um 1200 v. Chr. mit der Einwanderung der Arier, die bald die herrschende kulturelle Rolle in Indien übernahmen. In den Veden, den ältesten Schriften Indiens, sind die religiösen Vorstellungen der Arier überliefert. Zu dieser Zeit entstand auch das Kastenwesen. An der Spitze der Hierarchie standen die Priester (Brahmanen), die zweite Kaste bestand aus dem Adel, den Kriegern und den Königen. Da nur die Mitglieder dieser beiden oberen Kasten des Sanskrits mächtig waren, hatten auch nur sie Zugang zum Studium der Veda.

Philosophen und Einsiedler

Nachdem sich die arische Kultur im Land etabliert hatte, begann vor allem der Adel, der zur Kaste der Krieger gehörte, sich verstärkt mit philosophischen und religiösen Fragen zu beschäftigen. So finden sich um 800 v. Chr. in der Literatur erstmals Personen, die die festgefügten sozialen Gemeinschaften verließen, um sich in die Einsamkeit zurückzuziehen und sich mit den existenziellen Fragen des Lebens zu beschäftigen.

Yoga als praktische Philosophie

In den Upanishaden, einer Sammlung von Texten mit naturphilosophischem Inhalt, die ab etwa 800 v. Chr. entstanden, wurde versucht, eine Antwort auf die Frage der Stellung des Menschen in der Welt zu geben. Hier taucht zum ersten Mal der Gedanke der Seelenwanderung und die für den Yoga grundlegende Vorstellung der Wesensgleichheit des „Atman“ (Selbst des Menschen) mit dem „Brahman“ (der schöpferischen Kraft im gesamten Universum) auf. Die Upanishaden wurden nicht nur von Mitgliedern des Priesterstands, sondern auch von Angehörigen der zweiten Kaste wie Adeligen und Kriegern verfasst. Sie haben also auch weltliche Wurzeln. Auch die Vorstellung der Seelenwanderung und des Karmas, nach der jede Handlung eine Auswirkung hat und der Einzelne für sich selbst und sein Tun die alleinige Verantwortung trägt, hatte einen großen Einfluss auf das Gedankengebäude des Yoga.

Raja Yoga

Der Raja Yoga Weg (Raja heißt königlich) ist ein umfassender Weg, der eine große Willenskraft erfordert. Der Raja Yoga setzt keinen bestimmten Glauben und keine Religion voraus. Der Raja-Yogin läutert sich durch gesunde Ernährung. Körper- und Atemübungen sowie durch Meditation; er übt völlige Selbstbeherrschung.

Hatha Yoga

Hatha Yoga ist die Bezeichnung für den reinen Körperyoga. Die wörtliche Übersetzung heißt „gewaltsame Anstrengung“. Die Erweiterung des Bewusstseins wird in diesem Yogaweg über den Körper verwirklicht. Im 16. Jahrhundert hat ein Yogameister in der so genannten Yoga-Pradipika die Körperübungen des Hatha-Yoga in 84 Hauptübungen zusammengefasst. Diese Übungen sind Teil des Raja-Yoga, wie sie im achtstufigen Pfad des Patanjali beschrieben sind.

Tantrismus und Kundalini Yoga

Der Tantrismus, der sich etwa im 7. Jahrhundert entwickelte, empfiehlt die Hinwendung zur Welt, weil der Mensch durch die Natur hindurchgehen und nicht sich von ihr abkehren müsse, wenn er Kontakt zum Überirdischen knüpfen will. Die tantrischen Rituale wurden immer im Geheimen weitergegeben; vor allem die rituelle Vereinigung von Mann und Frau dient dabei dem Erreichen höherer Bewusstseinszustände.

Kundalini Yoga hat sich aus der Tantra Philosophie entwickelt. Man geht bei ihr von einer Trennung von Materie und Geist aus. Diese beiden Pole finden sich auch im Menschen: der geistige Pol im Kopfbereich, der andere im Bereich der Sexual- und Ausscheidungsorgane. Kundalini selbst ist die Bezeichnung für eine zusammengerollte Schlange, die am unteren Ende der Wirbelsäule ruhen soll.

Durch Körper-, Atem- und Meditationsübungen kann die Kundalini Energie geweckt werden. Indem sie von der Basis der Wirbelsäule durch die einzelnen Chakras aufsteigt, soll es zu einer fruchtbaren Verbindung von weiblicher und männlicher Energie kommen.

Wie ihr seht, geht es beim Yoga nicht nur um einen schönen Körper und definierte Oberarme. Es geht um mehr und deswegen ist es für mich auch ein so interessanter Sport und zugleich eine schöne Philosophie.

Ich hoffe du findest eine Form von Yoga die zu dir und deinem Leben passt.

Sat nam,

Mirjam

 

 

 

 

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